Tamilen gedenken des »Schwarzen Juli«

Zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges sind auf Sri Lanka weder Aussöhnung noch Entspannung in Sicht

Am heutigen Dienstag jähren sich die Pogrome des »Schwarzen Juli« gegen die tamilische Bevölkerung auf dem Inselstaat Sri Lanka zum 36. Mal. Damals hatten singhalesisch-nationalistische Gruppen einen Angriff der sozialistischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) auf das Militär zum Anlass genommen, um von Colombo ausgehend über das gesamte Land verteilt gewalttätig gegen Geschäfte und von Tamilen bewohnte Häuser vorzugehen. Schätzungen zufolge wurden 3000 Menschen ermordet, 5000 Geschäfte geplündert und 8000 Wohnungen zerstört. Etwa 150 000 Menschen flüchteten ins Ausland oder in tamilische Gebiete im Norden und Osten des Landes.

Heute ist bekannt, dass die Angreifer mit Wählerlisten ausgestattet waren, anhand derer sie ihre Ziele ausfindig machen konnten. Polizeikräfte blieben untätig oder beteiligten sich verschiedenen Berichten zufolge an den tödlichen Ausschreitungen, sodass der wütende Mob unbehelligt blieb und eine Strafverfolgung nicht stattfand. Obwohl es auf der Hand liegt, dass die Regierung und Behörden an der Inszenierung der brutalen Vertreibung direkt und aktiv beteiligt waren, hat es bis heute weder eine Erklärung, Entschuldigung oder gar Entschädigung von offizieller Seite gegeben.

Um auf diesen Umstand und ihre soziale Situation auf Sri Lanka aufmerksam zu machen, gehen tamilische Organisationen in der Diaspora zu solchen Jahrestagen an die Öffentlichkeit. Sie machen ihre Forderungen nach Entschädigung, Aufarbeitung der humanitären Verbrechen und dem Selbstbestimmungsrecht publik.

Denn auch zehn Jahre nach dem Ende des dreißigjährigen Bürgerkrieges, der mit einem Genozid an der tamilischen Bevölkerung und der militärischen Zerschlagung der LTTE endete, gibt es weder Aussöhnung noch Entspannung. Bis heute werden nach Schätzungen des Bistums von Mannar etwa 146 000 Menschen vermisst. Die genaue Zahl der politischen Gefangenen ist unbekannt. Selbst die UNO hat weder valide Zahlen noch einen uneingeschränkten Zugang zu ehemaligen Kriegsgebieten. In manchen Gegenden kommt auf zwei tamilische Zivilisten ein Soldat. Der Norden und Osten des Landes liegen faktisch unter militärischer Besatzung, um Aufstände zu verhindern und sämtliche soziale Errungenschaften des De-facto-Staates Tamil Eelam zunichte zu machen.

»Wir fordern eine unabhängige internationale Untersuchungskommission für die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen und verlangen, dass sämtliche politischen Gefangenen unverzüglich freigelassen werden«, erklärt Agilan Waradarajah. Das Mitglied des Vereins »Volksrat der Eelam Tamilen« (VETD) war als Kind mit seiner Familie im Zuge des »Schwarzen Juli« zuerst von einem von der indischen Regierung gestellten Flüchtlingsschiff nach Jaffna gebracht worden und dann nach Deutschland geflohen. Regelmäßig veranstaltet der VETD neben zahlreichen kulturellen Veranstaltungen auch Demonstrationen, um die Bundesregierung aufzufordern, im Sinne der etwa 50 000 Menschen starken Community zu handeln. »Wir wenden uns beharrlich an die Öffentlichkeit, um Druck zu machen, damit die Straffreiheit der Kriegsverbrecher in Regierung und Militär ein Ende hat«, so Waradarajah.

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