Wie man eine Arche bewegt – Ausstellung in Berlin – über Flucht der Eelam Tamilen

Wie man eine arche bewegt

Kann eine Stadt mehr als nur eine einzige Geschichte und ein einziges Volk aufweisen? In den 1980er-Jahren wurden die politischen Risse in den Mauern des geteilten Deutschlands zu einer Lebensader für die Tamil*innen. Bei der Ausstellung gibt Sinthujan Varatharajah Einblicke in seine Untersuchungen zu physischen und kulturellen Grenzen und den Erinnerungen an die Vertreibung dieser Gemeinschaft.

Der Forscher, Essayist und politische Geograf Sinthujan Varatharajah untersucht kritisch die Folgen der antitamilischen Pogrome und Unruhen in Sri Lanka im Jahr 1983 – und die darauffolgenden Kriege und Völkermorde. Sie führten Hunderttausende Tamil*innen ins Exil. Für diejenigen, die nach Europa auswanderten, wurde das geteilte Berlin zum persönlichen Eingangstor. Die Berliner Mauer spielte eine heute kaum noch bekannte, zu jener Zeit aber wichtige Rolle als Zugang und Transitpunkt, der vielen Geflüchteten aus der damaligen „Dritten Welt“ als Schlupfloch zum Überleben diente. Ein besonderes Abkommen zwischen Ost- und Westdeutschland ermöglichte es ihnen, über die DDR in den Westen einzureisen. In den 1980er-Jahren wurden die politischen Risse in den Mauern des geteilten Deutschlands zu einer Lebensader für die Tamil*innen. Diese spezifische Geschichte der Mauer ist der Ausgangspunkt für Varatharajahs Untersuchungen zu physischen und kulturellen Grenzen und den Erinnerungen an die Vertreibung dieser Gemeinschaft. Im Ausstellungsraum auf dem ExRotaprint-Gelände sind verschiedene Spuren jener Transitrouten zu sehen, wie zum Beispiel mündliche Überlieferungen, Zeitungsausschnitte, Fotografien, Karten und andere gesammelte Materialien. Zusammen bilden sie ein lebendiges Archiv, das sich mit Fragen zu Flüchtlingslagern, Staatenlosigkeit und räumlicher Macht auseinandersetzt und Vertriebene und ihre unerzählten Geschichten ans Licht bringt.

Sinthujan Varatharajah befasst sich mit Vertreibungen, Staatenlosigkeit und räumlichen Ungleichheiten, insbesondere im Kontext der eelam-tamilischen Bevölkerung. „Alles, was von uns übrigbleibt, sind Schatten. Für viele sind nicht einmal diese Schatten die unsrigen.“ Indem er ein vertriebenes und marginalisiertes Volk ins Zentrum rückt, bringt er dessen vergessene Geschichten hervor und setzt sie buchstäblich auf die Landkarte Berlins. Varatharajah nutzt mündliche und visuelle Erinnerungen, um die deutsche Hauptstadt in eine tamilische Stadt zu verwandeln: eine Erweiterung des verlorenen tamilischen Territoriums.

Er fragt: „Kann eine Stadt mehr als nur eine einzige Geschichte und ein einziges Volk aufweisen? Und was bedeutet es für staatenlose Menschen, innerhalb der Nationalstaaten anderer neue Räume zu gestalten?“ Varatharajah liest Berlin durch die Fluchtbewegungen eines traumatisierten Volkes inmitten einer damals, in den 1980er-Jahren, geteilten Stadt. Sein lebendes Archiv hinterfragt die vielen Kämpfe eines Volkes ohne Souveränität über Land (sowie Körper), um Räume über verschiedene politische Regime hinweg zu markieren und beständige Archive aufzubauen und zu erhalten. Indem es das Schweigen und die Leerstellen in historischen Aufzeichnungen untersucht, hinterfragt sein Archiv nationale Erinnerungskulturen und sucht an alten Orten nach neuen Bedeutungen.

Information über die Öffnungszeiten:

Aufgrund der aktuellen Umstände im Zusammenhang mit dem COVID-19-Virus bleibt der temporäre Projektraum der 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst auf dem ExRotaprint-Gelände vom 13. März bis vorerst 19. April 2020 für den Besucher*innenverkehr geschlossen. In diesem Zeitraum finden keine Aktivitäten oder Veranstaltungen statt. Wir folgen damit der Entscheidung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa vom 12. März 2020.

Wir informieren uns laufend über die neuesten Entwicklungen bei den zuständigen Behörden und bitten Sie um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen können.

 

 

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