Mullivaaikkal (முள்ளிவாய்க்கால்) Gedenktag (18. Mai 2021)

#Pressemitteilung

(PDF) 18 Mai 2021 – in Gedenken an Mullivaaikkal

Es ist bekannt, dass auf Sri Lanka ein 30-jähriger Bürgerkrieg herrschte. Nur wenigen ist bewusst, dass der Grund für diesen Konflikt die Ungleichheit der auf der Insel lebenden Völker ist. Der Norden und Osten der Insel ist das traditionelle Heimatgebiet der Eelam Tamilen (Tamilen). Im Süden der Insel lebt die singhalesische Bevölkerung, welche zahlenmäßig der tamilischen Bevölkerung überlegen ist. Der britische Kolonialismus etablierte, aus administrativen Gründen, eine zentrale Verwaltung und löste damit die Selbstbestimmung der sich bis dahin autonom regierenden Völker auf. 1948 erlangte „Ceylon“ die Unabhängigkeit vom britischen Kolonialismus. Die Regierungsmacht hatten die Briten den Singhalesen übergeben und legten damit den Grundstein für den bis heute anhaltenden Rassismus gegenüber Tamilen und anderen Bevölkerungsgruppen auf Sri Lanka. 1948 endete die Besatzung durch die Briten, doch für die Tamilen begann damit die Kolonisierung durch die Singhalesen, die sich in einer Übermachtstellung wiederfanden.

Seither haben sämtliche srilankische Regierungen die „herrschende“ Stellung der Singhalesen durch rassistische Gesetze und praktische Diskriminierung gegenüber den Tamilen verstärkt. Der Widerstand der Tamilen nahm zunächst politische Gestalt an und forderte gleiche Rechte. Schnell wurde klar, dass der singhalesische Chauvinismus der Gleichheit der Völker nicht zustimmen würde – während die Unterdrückung der Tamilen systematische Formen annahm: singhalesisch wurde zur einzigen und ausschließlichen Staatssprache, mit staatlicher Unterstützung wurden Singhalesen in zuvor ausschließlich tamilischen Gebieten angesiedelt, Tamilen wurden systematisch bei der Vergabe von Arbeits- und Ausbildungsplätzen benachteiligt, es kam zu willkürlichen Verhaftungen, Ausschreitungen, Folter, Morden und Pogromen an Tamilen. Inmitten der systematischen Unterdrückung verabschiedeten die Tamilen in 1976 die Vaddukodai Resolution: sie beschlossen, dass die Wiederherstellung des freien, souveränen, säkularen, sozialistischen Staates Tamil Eelam, basierend auf dem Selbstbestimmungsrecht, welches jeder Nation eigen ist, unabdingbar geworden ist, um die Existenz der tamilischen Nation in „Ceylon“ zu sichern.

Zum Schutz der Eelam Tamilen, vor dem stetig aggressiver werdenden Völkermord der srilankischen Regierung, veränderte sich der politische in einen bewaffneten Widerstand. Der bewaffnete Widerstand resultierte 2002 in Friedensgesprächen zwischen der Freiheitsbewegung der Tamilen, den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), und der srilankischen Regierung. Die Vermittlerrolle für die Gespräche hatte Norwegen übernommen. Im Nachhinein ist klar, dass der srilankische Staat den Friedensgesprächen nur eingewilligt hat um das militärische Kräftegleichgewicht zu stören. Die Friedensgespräche nutzte die Regierung als Atempause und wurde währenddessen von zahlreichen Ländern wie den USA, Groß Britannien, Israel, China und anderen militärisch beraten und bewaffnet. Auf Verlangen der USA stufte die EU in 2006 die LTTE als eine terroristische Organisation ein. Ihrer moralischen Verantwortung kamen die Mitgliedsstaaten europäischen Union in diesem Moment nicht nach und unterstützten damit die Kriminalisierung der Tamilen und speziell der tamilischen Diaspora in ihrem Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. In 2008 als sie davon überzeugt waren, dass es kein militärisches Kräftegleichgewicht mehr gab und darüber hinaus die internationale Gemeinschaft einer Militäroffensive nicht im Weg stehen würde, verabschiedete sich Sri Lanka aus den Friedensgesprächen.

Eine brutale Militäroffensive des srilankischen Militärs begann. Potentielle Zeugen wie internationale Organisationen, NGOs und Medien wurden aufgefordert Sri Lanka zu verlassen, tamilische Zivilisten wurden in sogenannte „No-Fire Zones“ getrieben und anschließend gezielt angegriffen und getötet, die Nahrungs- und Medizinversorgung in die Kriegsgebiete wurde unterbrochen, verbotene Waffen wurden eingesetzt, sich ergebende Menschen wurden erschossen, LTTE Mitglieder sowie Zivilisten wurden vergewaltigt, misshandelt und ermordet, Kinder wurden kaltblütig getötet. Am 18. Mai 2009 war der Völkermord an den Eelam Tamilen im Ort Mullivaaikkal an einem brutalen Höhepunkt angekommen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass während der Schlussoffensive ungefähr 70.000 Menschen getötet wurden. Lokale Stimmen darunter, der in 2021 verstorbene, Bischof Dr. Joseph Rayappu hatte auf Grundlage von Zahlen gefolgert, dass 146.679 Tamilen seither vermisst werden.

Heute 12 Jahre nach dem blutigen Ende dieser Schlussoffensive sind die Tamilen in Sri Lanka noch immer auf der Suche nach den 146.679 vermissten. Unter gegebenen Umständen ist die Ungleichbehandlung heute noch intensiver: während srilankische Soldaten für die Schlussoffensive gefeiert werden, wird den Tamilen ihr Recht auf Gedenken verwehrt, Denkmäler in Erinnerung an die Getöteten Tamilen werden zerstört, jeglicher Widerstand wird durch Geheimdienst, Polizei und Militär zum Schweigen gebracht. Heute 12 Jahre nach dem Ende dieser Schlussoffensive erinnern wir daran, dass auch Deutschland eine moralische Verantwortung hat Menschen vor Völkermord zu schützen. Heute 12 Jahre nach dem Ende dieser Schlussoffensive gedenken wir Tamilen – in Eelam sowie in der Diaspora – an die tausenden Getöteten Zivilisten und Freiheitskämpfer.

 

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